Oskar Martin-Amorbach, Landschaft (Rossholzen), 1939, Öl auf Leinwand, 52 x 59 cm. Foto © Martin Weiand

Oskar Martin-Amorbach, Landschaft (Rossholzen), 1939, Öl auf Leinwand, 52 x 59 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Landschaft (Roßholzen) von Oskar Martin-Amorbach

(nach dem Katalogtext von Harald Schulze)

 

„Landschaft (Roßholzen)“ (1939) ist das einzige Ölgemälde Martin-Amorbachs (1897-1987) in der Rosenheimer Galerie. Der Maler malt bis ins hohe Alter hinein immer wieder die Landschaft um den Samerberg in unterschiedlichen Stilen und Techniken, zumeist in Tempera und Aquarell. Landschaften bilden nach religiösen Motiven die zweitgrößte Gruppe in seinem Œuvre. Erworben wird es am 16. Juni 1939 für 300 RM als städtischer Ankauf aus der Ausstellung des Kunstvereins Bad Aibling. Das Bild zeigt unter einem hohen Himmel die Voralpenlandschaft bei Schneeschmelze – ein Thema, das Martin-Amorbach unter den Vorzeichen „Schneeschmelze“ oder „Vorfrühling“ vielfach variiert.

Geboren am 27. März 1897 in Amorbach im Odenwald verstirbt er 90-jährig am 11. Oktober 1987 in Rossholzen am Samerberg. Seit 1923 hat er auf dem Samerberg ein Haus mit Atelier. Es bildet bis zu seinem Verkauf im Jahre 2009 den Mittelpunkt der Familie Martin. Als Künstler ist Martin-Amorbach kommerziell erfolgreich, und sein Umfeld verehrt ihn als „Meister“ – doch für die Kunstgeschichtsschreibung ist er weitgehend ein weißes Blatt – sein Aufstieg im Nationalsozialismus macht ihn nach 1945 in der Kunstgeschichte zur Unperson. [1]

Entscheidend für die Rolle Martin-Amorbachs im nationalsozialistischen Kulturbetrieb ist seine Präsenz und sein Erfolg auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen (GDK). Er ist dort zwischen 1937 und 1944 mit insgesamt dreizehn Öl- und Temperabildern vertreten. Seine Bilder erregen sowohl öffentliche Aufmerksamkeit als auch das Wohlgefallen der NS-Führung, was sich etwa in Ankäufen durch Adolf Hitler manifestiert.

Hauptsächlich handelt es sich bei den GDK-Exponaten Martin-Amorbachs um Bilder mit bäuerlicher Thematik. Mit dieser Ausrichtung liegt er im Trend der NS-Kunst, die Gefallen an Landschaftsbildern und Szenen des bäuerlichen Lebens findet. [2] Diese motivische Ausrichtung zeigt nicht das moderne, industrialisierte Deutschland der 30er-Jahre, sondern „eine  vorindustrielle Agrargesellschaft“. [3] Dahinter steht u.a. das Bemühen, die Wurzeln der deutschen Volksgemeinschaft als zeitlos erschienen zu lassen. Doch auch reine Landschaftsdarstellungen wie „Landschaft (Roßholzen)“ können im Sinne des „völkischen“ Gedankens aufgeladen werden. So wird gerade die Voralpenlandschaft in der Zeit des Nationalsozialismus als Abbild einer „idealen“ deutschen Landschaft gelesen.

 

[1] Dies erschwert naturgemäß die Forschung über Oskar Martin-Amorbach sowie die Recherche zu den Aufbewahrungsorten der beweglichen Bilder des Künstlers in öffentlichen und privaten Sammlungen. Der Forschungsstand sowie die Quellenlage zu Oskar Martin-Amorbach wird im Katalogtext von Harald Schulze ausführlich dargelegt.

[2] Die Verschlagwortung der Werke in GDK-Research in der Bilddatenbank zur Erforschung und Dokumentation der Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937–1944 in München ergibt unter dem Stichwort „Landwirtschaft, Fischereiwesen“ 636 Einträge bei insgesamt rund 12 000 Exponaten: URL: http://www.gdk-research. de/db/apsisa.dll/ete [gelesen am 30.6.2017]. Deutlich zu hoch ist dagegen die Angabe bei Karen van den Berg: Abrichtung der Volksseele. NS-Kunst und das politisch Unbewusste, in: Kat. Ausst. Museum unter Tage, Bochum: „Artige Kunst“. Kunst und Politik im Nationalsozialismus, Bielefeld 2016, S. 25-46, hier S. 29, die unter Verweis auf GDK-Research angibt, fast ein Viertel der Exponate seien dem Thema „bäuerliches Milieu“ zuzuordnen. Eine solche Zahl ergäbe sich lediglich, wenn auch alle Landschaftsdarstellungen (laut GDK-Research 2979) generell diesem Bereich zuzurechnen wären (Hinweis Christian Fuhrmeister).

[3] Karen van den Berg: Abrichtung der Volksseele. NS-Kunst und das politisch Unbewusste, in: Kat. Ausst. Museum unter Tage, Bochum: „Artige Kunst“. Kunst und Politik im Nationalsozialismus, Bielefeld 2016, S. 25-46, S. 30. Auf diesen Befund haben bereits hingewiesen Dieter Bartetzko, Steffan Glossmann und Gabriele Voigtländer-Tetzner: Die Darstellung des Bauern, in: Georg Bussmann (Hg): Kunst im Dritten Reich. Dokumente der Unterwerfung, Frankfurt am Main 1980, S. 147, 150, 310–346.