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Wanderlied von Edmund Steppes

(nach dem Katalogtext von Stephanie Rechenberg)

 

Als die Nationalsozialisten den allgemeinverständlichen Realismus zum „völkischen“ Nationalstil erklären, hätten Edmund Steppes’ (1873 -1968) Landschaften das Aushängeschild des neuen Kunstideals sein können. Doch der erwartete Durchbruch des überzeugten Nationalsozialisten und Antisemiten bleibt aus, auch wenn er vereinzelte Erfolge verbuchen kann. So veräußert er das eine oder andere Bild an kleine Museen oder Privatsammler, wie „Wanderlied“ (1933), das er 1934 für 500 RM an Max Bram verkauft. [1]  

Ein Grund für die Vernachlässigung der Werke Steppes’ liegt u.a. darin, dass seine figurlosen Landschaften keinen Hinweis auf Zivilisation oder menschliches Leben geben und sich auf den reinen Naturraum beschränken. Auch verzichtet Steppes auf „verschönernde“ Details, wie Wiesenblumen oder die bayerischen Alpen. Dies macht seine Kunst für die nationalsozialistische Propaganda unbrauchbar, da in seinen Werken durch fehlende regionale Anhaltspunkte eine gewisse Unverfänglichkeit geschaffen wird. Diese ist unangreifbar – da unpolitisch – und kann ideologisch nicht nutzbar gemacht werden.[2]

Deutlich wird dies auch anhand der märchenhaft-surrealen Landschaft in „Wanderlied“. In detailloser Form ist eine Ansammlung begrünter Felsen zu sehen. Durch das Fehlen motivischer Elemente wie Wanderer, Bauern oder den Alpen, konnten die Nationalsozialisten keinen regionalen Bezug herstellen, wie sie es scheinbar bei anderen Rosenheimer Künstler durchaus vermögen. Steppes Felsen hätten so überall stehen können und nicht einzig und allein auf „deutschem/bayerischen Boden“.

Demgegenüber steht die Meinung des Künstlers, nach der seine Kunst sehr wohl dem Idealbild einer deutsch-nationalen Kunst entspräche. Das Oeuvre von Edmund Steppes zeigt deshalb deutlich, dass die Vorstellung einer nationalsozialistischen Kunst keineswegs einheitlich ist und bei der Überführung in die Realität Brüche und Widersprüche aufweist.

 

 

[1] Städtische Galerie Rosenheim, Inv. 000552, Depot B-65. Auch die Auszeichnung mit der Goethe-Medaille, eine der höchsten kulturpolitischen Auszeichnungen des Dritten Reichs sowie einige Verkäufe auf der Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) seien an dieser Stelle erwähnt.

[2] Gertrud Roth-Bojadzhiev: Die Landschaftsbilder Edmund Steppes, in: Kat. Musst. Kunststiftung Hohenkarpfen: Edmund Steppes (1873-1968), Hausen ob Verena 1990. S. 44.