Leo von Welden, Nachtwächter, 1940, Öl auf Pappe, 48,5 x 32 cm. Foto © Martin Weiand

Leo von Welden, Nachtwächter, 1940, Öl auf Pappe, 48,5 x 32 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Nachtwächter von Leo von Welden

(nach dem Katalogtext von Anke Gröner)

 

Das Werk „Nachtwächter“ (1940) des Künstlers Leo von Welden (1899-1967) wird 1944 für 1200 Reichsmark von der Städtischen Galerie erworben – eine recht hohe Summe für das kleinformatige Gemälde.

In schlichten Braun- und Rottönen ist das traditionelle Motiv des Nachtwächters in realistischer Manier ausgeführt. Allein der Hintergrund ist gegenstandslos und etwas freier im Duktus (= Pinselführung) gestaltet. Von Welden modelliert seine Figur durch die Schatten, die sich aus der Lampe in der linken Hand des Mannes ergeben. Dies gelingt, da sie die einzige Lichtquelle im Bild ist. Farbigkeit und Modellierung erinnern an altmeisterliche Motive. Das Bild entspricht dem biederen Kunstgeschmack der Zeit.

Spannend ist auch die Rückseite des Gemäldes: Hier findet sich in von Weldens Handschrift eine Mitgliedsnummer der Reichskammer der Bildenden Künste. Diese Standes- oder Berufsvertretung ist im Nationalsozialismus "arischen" Künstlern vorbehalten; nur Mitglieder der Reichskammer der Bildenden Künste können Malmittel erwerben und an Ausstellungen teilnehmen. Da von Welden aber keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, kann er auch kein Mitglied der Reichskammer werden, und im Bestand des Bundesarchivs lässt sich die Nummer nicht wiederfinden. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass von Welden sie sich einfach ausgedacht und darauf vertraut hat, dass die Nummer nicht überprüft wird.