Wilhelm Leibl, Hüftbild eines Bauernjungen, 1885, Öl auf Holz, 58 x 39,5 cm. Foto © Martin Weiand

Wilhelm Leibl, Hüftbild eines Bauernjungen, 1885, Öl auf Holz, 58 x 39,5 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Hüftbild eines Bauernjungen von Wilhelm Leibl

 

Der Maler Wilhelm Leibl (1844-1900) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Realismus in Deutschland und ist mit seinen Werken in vielen wichtigen Museen der Welt vertreten. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste bleibt er in München und wird eine prägende Figur für die Künstler der Münchner Schule.

Als Vertreter des Realismus konzentriert sich Leibl auf die detailgetreue Wiedergabe dessen, was er sieht. Dies wird zum Teil auch in „Hüftbild eines Bauernjungen“ (1885) deutlich. Doch im Vergleich zu den berühmtesten Werken des Künstlers, wie „Die drei Frauen in der Kirche“ (1881) ist hier nicht jedes Detail naturalistisch widergegeben. Vielmehr löst sich der untere Teil des Bildes in eine braune, gegenstandslose Farbfläche auf. Und auch die Hand des Jungen, die lässig einen roten Hosenträger umfasst, ist eher grob ausgeführt. Trotzdem steht der Name Leibl für einen traditionellen Realismus und damit im Nationalsozialismus für eine Idealform der Kunst – unberührt von den verfemten „Wirren der Abstraktion“.

Auch thematisch reiht sich dieses Bild gut in die von den Nationalsozialisten protegierte Kunst ein. Ländliche Szenen und Bauerndarstellungen sollen das einfache und ehrliche Landleben als Ursprung der „wahren, deutschen Volksseele“ zelebrieren. Der Junge trägt einfache Kleidung und sitzt in einer schlichten Stube. Genügsamkeit und Bescheidenheit wurden oft hineininterpretiert und als Ideale des „deutschen Bauern“ propagiert.

Damit kann ein Bild wie dieses hervorragend für propagandistische Zwecke genutzt werden, obwohl Wilhelm Leibl bereits 1900 verstorben war. Daher verwundert es auch nicht, dass das Werk als Geschenk Adolf Hitlers 1944 in die Sammlung der Städtischen Galerie Rosenheim gekommen ist.