Peter Schöttle, Reichsautobahn, 1937, Öl auf Leinwand, 78,5 x 99 cm. Foto © Martin Weiand

Peter Schöttle, Reichsautobahn, 1937, Öl auf Leinwand, 78,5 x 99 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

REICHSAutobahn von PETER Schöttle

 

Nicht nur konservative Landschaften und bäuerliche Szenen sind die Motive der Kunst im Nationalsozialismus. Das Werk „Reichsautobahn“ (1937) des Malers Peter Schöttle zeigt, dass auch technischer und wirtschaftlicher Fortschritt immer wieder in Bildern festgehalten wird. Die Erschaffung der deutschlandweiten Autobahnen und der damit verbundenen Infrastrukturen ist eines der Großprojekte, die sich Hitler und die NSDAP immer wieder als Erfolge ihres Regimes bestätigen lassen. Nicht zuletzt auch über Mittel der Malerei. Indem diese Bauvorhaben als eine Art Historienbilder dokumentiert werden, werden sie geadelt und ideologisch aufgeladen.

Interessant an dem Ölgemälde ist, dass gerade die Darstellung eines damals innovativen und fortschrittlichen Projekts in einer völlig konträren, traditionellen und eher rückwärtsgewandten Malweise ausgeführt ist. Die Bauarbeiter unterscheiden sich in keiner Weise von Abbildern ackernder Bauern. Die Farbigkeit tut ihr Übriges, den Eindruck von Feldern und heimischen Ackern zu verstärken: Das Gold-gelb erinnert an Getreidefelder, das Grün an die heimischen Wälder und der braune Vordergrund könnte ebenso ein Acker sein. Auch die Arbeitsgeräte der Männer sind einfache Schaufeln und Spaten. Der Eindruck ist alles andere als fortschrittlich! Vielmehr wirkt das Gemälde wie eine nostalgische Verklärung „einfacher, aber ehrlicher Arbeit“.

Damit verbindet der Maler die im Nationalsozialismus beliebte „Bauernmalerei“ mit dem Thema der Autobahn. Die Malweise ist ebenso eher traditionell, da er sich an eine naturgetreue Nachahmung hält. Im Gegensatz dazu sind vor allem die Figuren teils nur skizzenhaft ausgeführt und die starken Konturen sorgen für einen fast graphischen Effekt. So steckt das Werk voller scheinbarer Widersprüche und schwankt zwischen Tradition, Heimatverbundenheit und Verklärung des einfachen Landlebens auf der einen Seite und Innovation und technischem Fortschritt auf der anderen Seite.