Hermann Gröber, Essender Bauer, 1931, Öl auf Holz, 59 x 53 cm. Foto © Martin Weiand

Hermann Gröber, Essender Bauer, 1931, Öl auf Holz, 59 x 53 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Essender Bauer von Hermann Groeber

(nach dem Katalogtext von Aline Pronnet)

 

„Das Leben und das Werk Hermann Groebers wären einer kritischen Aufarbeitung [...] wert“ [1], schreibt das Oberbayerische Volksblatt 2002. Anlass ist eine Ausstellung der Werke Groebers (1865-1935) in seinem ehemaligen Wohnhaus in Gstadt am Chiemsee. In diesem Zeitungsartikel wird Groebers Verhältnis zum Nationalsozialismus angeschnitten. Die These des Autors: Die Motive der Gemälde Groebers passen zur „Blut- und Boden“-Ideologie der Nationalsozialisten, auch wenn sie keine Propagandabilder im eigentlichen Sinne sind.  

Dies würde dann auch für „Essender Bauer“ (1931) einem Ölgemälde auf Holz gelten. Das Werk zeigt deutlich, warum Groeber neben der traditionellen Münchner Schule auch den Münchner Impressionisten zuzuordnen ist. In einem lockeren, lebendigen Malgestus lotet Groeber mit Farbtupfern die Lichtverhältnisse der Stube aus. Dunkle, doch flirrende Orange- und Rottöne, vor allem im Hintergrund, vermitteln den Eindruck eines gemütlichen Kaminfeuers. Im Vordergrund ist auch der Bauer in groben Pinselstrichen mehr „entworfen“ als säuberlich gemalt.

Es sind Bilder wie diese, die im Nationalsozialismus zu propagandistischen Zwecken vereinnahmt werden. So folgert die nationalsozialistische Ideologie, dass das germanische Volk seine Kraft aus dem Boden der Heimat ziehe. Das naturnahe und erdverbundene Bauernvolk dient daher als besonders gute Projektionsfläche. So werden auch Groebers Landschaftsdarstellungen, Porträts von Chiemgauer Mädchen in Tracht und Darstellungen des Bauernlebens dem nationalsozialistischen Programm folgend gedeutet.

Doch kann im Falle Groebers auch davon ausgegangen werden, dass seine künstlerische Auffassung und seine politische Gesinnung den Weg für eine solche Deutung ebnen. So ist Groeber NSDAP-Mitglied der ersten Stunde, und ab 1928 öffentlicher Förderer eines Verbands, der später „Kampfbund für Deutsche Kultur“ genannt wird. [2] Dieser versteht sich als Gegensatz zur modernen Weltoffenheit der Kulturen und Künste. [3] Auch die Zugehörigkeit Groebers zu einigen Künstlergruppen, vor allem die der Chiemgauer „Frauenwörther“, zeigt, dass er sowohl politisch als auch künstlerisch ein heimatverbundener Traditionalist ist, der sich gegen die Moderne stellt.

 

 

[1] Stadtarchiv Rosenheim, Dokumentarische Sammlung zur Zeitgeschichte, Mappe Hermann Groeber, Raimund Feichtner, Auf dem Weg zurück, in: Oberbayerisches Volksblatt vom 20./21. April 2002.

[2] Hildegard Brenner: Die Kunstpolitik des Nationalsozialismus, München 1963, S.S. 9. Siehe auch Jürgen Gimmel: Die politische Organisation kulturellen Ressentiments. Der „Kampfbund für deutsche Kultur“ und das bildungsbürgerliche Unbehagen an der Moderne (Schriftenreihe der Stipendiaten der Friedrich-Ebert-Stiftung; 10), Münster 2001.

[3] Brenner 1963, S. 26.