Leo Samberger, Bildnis Max Bram, 1933, Öl auf Pappe, 76,5 x 63,5 cm. Foto © Martin Weiand

Leo Samberger, Bildnis Max Bram, 1933, Öl auf Pappe, 76,5 x 63,5 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Bildnis Max Bram von Leo Samberger

 

Einen stattlichen Anblick gibt der porträtierte Kunstsammler Max Bram ab. Beachtlich und bekannt ist auch der Künstler, der hinter diesem Porträt steckt. Es ist der Ingolstädter Maler Leo Samberger (1861 – 1949), dem vor allem die Münchner Prominenz und Obrigkeit, wie König Ludwig III. von Bayern, Modell steht.

Blickt man auf Sambergers Vergangenheit im Nationalsozialismus, ist eine Parteimitgliedschaft nicht bekannt. Jedoch wird er 1944 auf die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Maler des NS-Staates (sog. Führerliste) gesetzt. [1] Zudem ist er zusammen mit einer Reihe anderer Münchner Künstler Unterzeichner einer „Erklärung des Deutschen Künstlerbundes 1933“ die im Juni im Völkischen Beobachter, der Tageszeitung der Nationalsozialisten veröffentlicht wird. Die Erklärung richtet sich im Besonderen gegen expressive Maler wie Karl Schmidt-Rottluff oder Paul Klee bzw. allgemein gegen jüdische Künstler und Kulturschaffende.[2]

Vielleicht ist es der namhafte Ruf Sambergers, der Bram dazu veranlasste ebenfalls Modell zu stehen. Ein König ist er zwar nicht, dennoch nimmt Bram im Zusammenhang mit der Städtischen Galerie Rosenheim eine zentrale Rolle ein. So unterliegt das Sammlungsprofil zu einem großen Teil seinen Vorstellungen, da er im Jahr 1904 der Galerie seine „Gemäldesammlung aus dem Bereich der Münchner Schule[3] mit 140 Werken unter der Auflage des regelmäßigen Ankaufs Rosenheimer Kunst vermacht. [4] Daraufhin wird Bram ein Jahr später zum ersten Ehrenbürger Rosenheims ernannt. [5] Sofie Eikenkötter beschreibt 2016 Brams Sammlung wie folgt:

„Seine Kunstsammlung ist geprägt von der Münchner Schule. Insgesamt besitzt sie einen sehr konservativen Charakter. Bram rühmte sich auch, nie einen Akt für die Sammlung erworben zu haben.[6] Dagegen finden sich vor allem Landschaften und Genremalerei. Um diesen Konservatismus und Traditionalismus zu erhalten, forderte Bram eine Ankaufkommission, die die Schenkungen und städtischen Erwerbungen ‚überwachen‘ sollte.“[7]

Mit seiner Stiftung gibt Bram den endgültigen Anstoß zum Aufbau einer eigenen Kunstsammlung seitens der Stadt. [8] So legt er den Grundstein für die „konservative Chiemgauer Kunstszene“[9].

 

 

[1] Ernst Klee: Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945., Frankfurt am Main 2009, S. 462.

[2] Frank Henseleit: Der Bildhauer Bernhard Bleeker (1881–1968) – Leben und Werk, Dissertation Universität Augsburg, 2005 Text im Web (PDF-Dokument, 2,43 MB); das Zitat findet sich dort, S. 42.

[3] Eugen Weil: Bildende Kunst und Bau der Galerie, Rosenheim 1989, S. 77.

[4] Vgl. ebd.

[5] Abdruck der Ehrenbürger Urkunde in Stadtarchiv Rosenheim, Dokumentarische Sammlung zur Zeitgeschichte: Bram, Max, RA, 22.05.1935.

[6] Vgl. Hans Faußner: Die Rosenheimer Galerie. Max-Bram-Stiftung, Rosenheim 1954, S. 22

[7] Sofie Eikenkötter: Die Städtische Galerie in Rosenheim. Zwischen Tradition und Propaganda von 1935 bis in die frühen Nachkriegsjahre. München 2016, S.8.

[8] Vgl. ebd., S. 7.

[9] Michael Pilz: Literatur und Bildende Kunst in der Zwischenkriegszeit. In: Manfred Kreml und Michael Pilz (Hg): Rosenheim. Geschichte und Kultur, Rosenheim 2010, S. 435.