Friedrich Lange, Jugendlicher Athlet, 1938, Gips, 170 cm. Foto © Martin Weiand

Friedrich Lange, Jugendlicher Athlet, 1938, Gips, 170 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Jugendlicher Athlet von Friedrich Lange

 

Die Statue „Jugendlicher Athlet“ (1938) von dem Bildhauer Friedrich Lange ist eine Verkörperung des NS-Ideals eines sportlichen, gesunden, deutschen Mannes. Heroisch und entschlossen schaut er in die Ferne, ganz so, als wäre er siegreich aus einem Wettkampf hervorgegangen.

Der Körperbau und die Haltung sind idealisiert, sodass er exakt der Vorstellung eines „arischen“ Sportlers im Sinne einer nationalsozialistischen Ideologie entspricht. Naturalistisch gearbeitet erinnert er an Skulpturen von Athleten, die man aus der Antike kennt. Sogar das antike Prinzip des "contrapposto", d.h. die Figur hat ein Standbein und ein Spielbein, ist übernommen. Dieser Eindruck wird verstärkt, da der Skulptur, ähnlich wie vielen antiken Figuren, die Arme fehlen. Doch was hat es damit auf sich? Ist das eine Anspielung auf die Antike durch den Künstler?

Wohl kaum! Denn ursprünglich hatte der junge Athlet Arme, was auch viel besser zu dem Bild eines unversehrten, perfekten Körpers der nationalsozialistischen Kunstauffassung passt. Erst im Nachhinein wurden die Arme abgeschlagen. Neben der Skulptur selbst befinden sich auch ihre abgetrennten Gliedmaßen im Besitz der Städtischen Galerie Rosenheim. Bis heute weiß man nicht, wer und wieso sie entfernt wurden. Es gehen Gerüchte um, dass ein Kurs der Volkshochschule die Statue mutwillig zerstört hat. Dabei sind dann wohl auch die Kratzer in der Oberfläche entstanden. Was die Gründe dazu waren, kann man heute nur noch spekulieren.

 
 

Foto © Martin Weiand