Anton Müller-Wischin, Wicken, 1935, Öl auf Holz, 50 x 40 cm. Foto © Martin Weiand

Anton Müller-Wischin, Wicken, 1935, Öl auf Holz, 50 x 40 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Wicken Von Anton Müller-WischiN

(nach dem Katalogtext von Stephanie Niederalt)

 

Der Maler Anton Müller-Wischin (1865 – 1949) ist vor allem durch seine Stillleben berühmt geworden und feiert mit diesen große Erfolge. Möglicherweise dominieren aus diesem Grund ab 1930 Blumenstillleben wie das Ölgemälde „Wicken“ sein Werk. Oft malt Müller-Wischin seine Stillleben nach schwarz-weiß-Fotografien von kunstvoll arrangierten Blumensträußen.

Das Ölgemälde „Wicken“ (1935) zeigt einen großen Blumenstrauß, der alle Farbtöne zwischen hellrosa und dunkelrot vereint. Mit schnellem Pinselstrich sind die Blüten und die Vase wiedergegeben. Diese sind derart grob ausgeführt, dass man kaum erkennen kann, um was für Blumen es sich überhaupt handelt. Eigentlich sieht der Betrachter nur aneinandergesetzte Farbkleckse, die sich erst in der Kombination mit der Vase und dem Titel des Werkes zu einem Wickenstrauß verdichten.

Hierzu passt ein Beitrag von 1943, in dem vor allem die kleinformatigen Impressionen Müller-Wischins wie folgt beschrieben werden: “Drei Wischer mit dem Pinsel, ein paar Kratzer mit dem Pinselstiel, ein Druck aus der Tube – so scheint das, und ein Bild ist fertig –, aber es ist das Resultat eines lebenslangen intimen Umgangs mit den Möglichkeiten der Farbe." [1]

Die Blumenbilder des Malers haben einigen Erfolg auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen, deren Ausstellungsprofil überraschenderweise vor allem von unpolitischen Motiven geprägt ist. Die unaufgeregten und dekorativen Sträuße treffen eindeutig den bürgerlichen Kunstgeschmack der Zeit und lassen sich daher sehr gut verkaufen. Sie sind als Zeugnis einer konservativen, anti-modernen Kunstauffassung zu lesen. Somit stehen auch die Wicken exemplarisch für eine Kunst, die sich gegen alles Moderne und Fortschrittliche wendet.

 

 

[1] Schultz, Völkischer Beobachter 1943, Nr. 60, S. 7.