Constantin Gerhardinger, Hände, 1928, Öl auf Leinwand, 28,3 x 38,5 cm. Foto © Martin Weiand

Constantin Gerhardinger, Hände, 1928, Öl auf Leinwand, 28,3 x 38,5 cm. Foto © Martin Weiand

 
 

Hände von Constantin Gehardinger

(nach dem Katalogtext von Elena Velichko)

 

Für das Werk "Hände" (1928) bekommt Constantin Gerhardinger (1888 – 1970) 1937 eine Goldmedaille auf der Pariser Weltausstellung. Durch den ausschnitthaften Charakter seines Werkes legt Constantin Gerhardinger den Fokus auf die sittlich gefalteten Hände einer vermutlich weiblichen Figur. Das schlichte hell- und dunkelbraune Gewand, in groben Pinselstrichen gemalt, lässt darauf schließen, dass die abgebildete Person aus einfachen, womöglich bäuerlichen Verhältnissen stammt. Demgegenüber wirken die feiner ausgearbeiteten Hände fast schon zart, lassen durch ihre braungebrannte Haut jedoch durchaus eine Frau vermuten, die unter freiem Himmel, z.B. auf einem Feld, arbeitet.

Hier eröffnen sich Anknüpfungspunkte zur nationalsozialistischen Ideologie, die Gerhardinger zur Zeit des NS zeitweise große Erfolge verschaffen. So nimmt Gerhardinger bis 1942 kontinuierlich an der von Adolf Hitler initiierten Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) teil. Dort werden einige seiner Bilder zu horrenden Preisen u.a. von Joseph Goebels und von Hitler selbst gekauft. [1] Das hier gezeigte Werk hängt jedoch nie auf der GDK.

Gerhardinger bildet in seinen Werken vor allem das Leben der bayerischen Bauern ab. Doch wie geraten Werke mit solch vermeintlich „harmlosen“ Themen in das Interesse der Nationalsozialisten? Was kann an Werken wie „Hände“ faschistisch sein? Zum einen spielt Gerhardingers traditionalistische Gestaltung seiner Werke im Sinne der Münchner Schule eine wichtige Rolle. Die getreue Wiedergabe der Natur, unverfälscht und ohne disharmonische Elemente, wie beispielweise im Expressionismus, spielt der nationalsozialistischen Forderung einer unverzerrten, und dadurch möglichst idealen Abbildung der „deutschen“ Natur in die Hände.

Zum andern fügt sich Gerhardingers „Bauernmalerei“ mühelos in die „Blut- und Bodenideologie“ des Nationalsozialismus ein. Durch eine Rückbesinnung auf das einfache, bodenständige und naturnahe Leben soll der „deutsch-völkische“ Geist heraufbeschworen werden. Hart arbeitende, erdverbundene Bauern gelten dabei als „Blutquelle des Volkes“ [2]. So wird klar warum sich „tüchtige“ Hände, wie die der vermeintlichen Bäuerin, gut zu propagandistischen Zwecken instrumentalisieren lassen.

 

 

[1] GDK 1937: Reichsminister Dr. Goebbels kauft "Bäuerlicher Brotsegen" für 15 000 RM, Adolf Hitler wählte zwei Werke aus, "Samerberger Holzknecht und Kleinhäusler" für 6 000 und 1 800 RM. 1939 wurden erneut drei von fünf Exponaten Gerhardingers durch Hitler und Goebbels erworben, womit der Künstler 29 000 RM verdiente. URL: http://www.gdk-research.de [gelesen am 15.6.2017].

[2] Nadja Danglmaier und Werner Koroschitz: Nationalsozialismus in Kärnten. Opfer. Täter. Gegner. Nationalsozialismus in den österreichischen Bundesländern, Innsbruck 2015, S. 108.