Ausblick: Wie wird heute mit der Kunst des Nationalsozialismus umgegangen?

Die Künstler der Ausstellung „vermacht, verfallen, verdrängt“ sind während der Zeit des Nationalsozialismus sehr erfolgreich. Doch wie werden ihre Werke seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wahrgenommen? Der Künstler Hans Müller-Schnuttenbach, einer der erfolgreichsten Künstler auf der Großen Deutschen Kunstausstellung in München, ist ein gutes Beispiel, um dieser Frage auf den Grund zu gehen. Während nach 1945 das allgemeine Interesse verfliegt, gilt er in Rosenheim weiterhin als einer der beliebtesten Landschaftsmaler. Die Erfolge im nationalsozialistischen Kunstsystem scheinen vergessen zu sein.  

Es macht den Eindruck, als sei die Behandlung von nationalsozialistischer Kunst häufig von ängstlichem oder auch wohlwollendem Nichtbefassen geprägt. Eine große Zahl von Künstlerinnen und Künstlern, die unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Kunstbetriebs arbeiten, können durch diese Einstellung auch nach Regime-Ende so weitermachen, als sei nichts geschehen. In ihren Biographien sparen viele die Jahre zwischen 1933 und 1945 aus und behaupten, als Künstler hätten sie nichts mit Politik zu tun und somit keinerlei Verantwortung.

Vor dem Hintergrund, dass das NS-Regime Kunst und Kultur von Anfang an auch politische Bedeutung zuweist, erscheint dies als fragwürdig. Zwei Pole werden dabei von den Nationalsozialisten propagiert: die im Regime akzeptierte Kunst und die als „entartet“ verworfene Kunst. Auch nach dem Krieg schwankt die Auseinandersetzung mit der Kunst im Nationalsozialismus lange zwischen zwei Extremen: Verharmlosen als unschuldige Dekore oder Dämonisieren als „schwer toxische Substanzen“ [1].

Diese Polarität weicht heute in vielen Fällen der wissenschaftlichen Aufarbeitung und konstruktiven Analyse in Form von Detailstudien. Diese untersuchen Künste und Künstler genau, daneben loten Ausstellungen die Grauzonen zwischen „gearteten“ und „entarteten“ Werken aus. Selbstverständlich ist dieser kritische Umgang jedoch nicht. Mit der Ausstellung „vermacht, verfallen, verdrängt“ ist zumindest ein weiterer Schritt in Richtung Aufarbeitung getan.

 

[1] Hanno Rauterberg: Dunkle Idyllen. Was tun mit der ungeliebten NS-Kunst? In Bochum wird sie jetzt gezeigt – unter großen Sicherheitsvorkehrungen, in: Die Zeit 47/2016. URL:  <http://www.zeit.de/2016/47/ns-kunst-bochum-ausstellung> (Editiert am 27. November 2016, gelesen 2.4.2017).