Foto: Stadtarchiv Rosenheim, Bei der Feier zum fünfzehnjährigen Bestehen der NSDAP-Ortsgruppe auf dem Max-Josefs-Platz am 11. August 1935 (hinter Hitler: Gauleiter Adolf Wagner, Kreisleiter Josef Heliel), 1935, Bildnr. DB_690

Foto: Stadtarchiv Rosenheim, Bei der Feier zum fünfzehnjährigen Bestehen der NSDAP-Ortsgruppe auf dem Max-Josefs-Platz am 11. August 1935 (hinter Hitler: Gauleiter Adolf Wagner, Kreisleiter Josef Heliel), 1935, Bildnr. DB_690

 
 

Kunst und Nationalsozialismus in Rosenheim

Die Kunstschaffenden des Rosenheimer Raums gehörten zu den erfolgreichsten Künstlern auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen (GDK). In diesen von Adolf Hitler initiierten Ausstellungen manifestierte sich das „Selbstverständnis des ‚Dritten Reiches‘“ [1] sowie die „Kunstauffassung des NS“ [2]. Vor allem Hans Müller-Schnuttenbach und Anton Müller-Wischin, gehörten mit 57 bzw. 50 Werken zu den meistausgestellten Künstlern. Außerdem konnten sie ihre Bilder zu ansehnlichen Preisen an die nationalsozialistische Führungsriege verkaufen [3].

Diese nationalsozialistische Affinität zur Rosenheimer Kunst ist erklärungsbedürftig, war sie doch zum großen Teil von Landschaften, Stillleben und bäuerliche Sujets geprägt. Möglicherweise hilft ein historischer Rückblick auf das Verhältnis zwischen der Kunst Rosenheims und dem Nationalsozialismus:

1920 wurde in Rosenheim die erste NSDAP-Ortsgruppe außerhalb Münchens gegründet. Unter den ersten Parteimitgliedern fand sich auch eine beachtliche Anzahl an Rosenheimer Künstlern. [4] Die meisten von ihnen hatten sich bereits einige Jahre zuvor in der regionalen Kunstszene etabliert, wobei viele ihrer Werke durch die Stiftung des Kunstsammlers Max Bram in die Städtischen Gemäldesammlung Rosenheim gelangten. [5]

Da Brams persönliche Vorliebe für realistische und impressionistische Malerei des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts auch den bevorzugten Sujets der Nationalsozialisten entsprach, entwickelte sich Rosenheim als „kleine Schwester“ Münchens zu einem Schmelztiegel der Kunstvorstellungen des NS-Staates. [6] Im Juli 1934 wurde der Kunstverein Rosenheim mit dem Rücktritt des Vorsitzenden Hans Faußner zugunsten des SA-Obersturmbannführers Erich Holper gleichgeschaltet. [7]

Am 29. August 1937, nur wenige Wochen nach der Einweihung des Hauses der Deutschen Kunst in München, fand die feierliche Eröffnung der Städtischen Gemäldegalerie in Rosenheim statt. [8] Den Grundstock der ersten Ausstellung im neuen Gebäude lieferte die gestiftete Sammlung Max Brams, in der – so Stadtarchivar Albert Aschl im Vorwort des Ausstellungskataloges – stets „der gesunde Geist volksnaher Kunst […] herrschte […]“ [9].

Da die Entstehung der Kunstsammlung Brams bis in die 1880er-Jahre zurückreicht, ist es nicht verwunderlich, dass viele Künstler zum Zeitpunkt der Eröffnung nicht mehr lebten. Im Unterschied zu den GDK in München, die als „Verkaufsausstellungen“ [10] für zeitgenössische Künstler konzipiert waren, stellte man in Rosenheim somit auch oder gar vornehmlich Kunstwerke bereits verstorbener Künstler aus. Auch wies die Ausstellung im Vergleich zu vorangegangenen Rosenheimer Ausstellungen, etwa im Rathaussaal oder der ehemaligen Michaelskapelle, keine nennenswerten Neuerungen auf.

Jedoch waren von den noch lebenden Beteiligten die Mehrheit mit ihrer Kunst auch auf den GDK in München vertreten – und das teils alljährlich und mit mehreren Dutzend Werken. [11] Somit kann die erste Rosenheimer Ausstellung im neuen Galeriegebäude doch als richtungsweisend für die zukünftige Kunst- und Kulturpolitik der Stadt gesehen werden.

 

 

[1] O.V.: Beschreibung. GDK Research – Bildbasierte Forschungsplattform zu den Großen Deutschen Kunstausstellungen 1937-1944 in München. <http://www.gdk-research.de> Der Erfolg der Rosenheimer Künstler im Nationalsozialismus geht aus der 2011 ins Leben gerufenen Forschungsdatenbank GDK-Research hervor.

[2] ebd.

[3] Siehe auch die Beiträge von Magdalena Becker, Natascha Mazur und Stephanie Niederalt im Katalog zu der Ausstellung.

[4] Peter Miesbeck: Bürgertum und Nationalsozialismus in Rosenheim. Studien zur politischen Tradition, Rosenheim 1994, S. 69‒73.

[5] Siehe auch den Beitrag von Sofie Eikenkötter im Katalog zu der Ausstellung.

[6] Michael Pilz: Literatur und Bildende Kunst im Rosenheim der Zwischenkriegszeit, in: Manfred Treml und Michael Pilz (Hg): Rosenheim. Geschichte und Kultur, Rosenheim 2010, S. 434.

[7] Siehe auch die Beiträge von Mareike Schwarz und Brigitte Zuber im Katalog zu der Ausstellung.

[8] Siehe auch den Beitrag von Mareike Hetschold im Katalog zu der Ausstellung.

[9] Verzeichnis der ausgestellten Werke, hg. von Städtische Kunstsammlung Rosenheim (Max-Bram-Stiftung), Rosenheim 1937.

[10] Die von 1937 bis 1944 in München stattfindenden GDK waren die wichtigsten und zugleich profitabelsten Ausstellungsmöglichkeiten im „Dritten Reich“. Siehe hierzu Maximilian Aracena: Die „Große Deutsche Kunstausstellung“ von 1937 bis 1944. Eine Verkaufsausstellung, München 2013, URL: https://epub.ub.uni-muenchen.de/22239/ [gelesen am 9.7.2017].

[11] Von den 61 in Rosenheim ausgestellten noch lebenden Künstlern zeigten 38 insgesamt 454 Werke auf den Großen Deutschen Kunstausstellungen in München. Gemessen an der Gesamtzahl der rund 12 500 ausgestellten Werke beläuft sich die Beteiligung von Künstlern aus dem Rosenheimer Raum – nimmt man die Eröffnungsausstellung der Rosenheimer Galerie im Jahr 1937 als Maßstab für die bekanntesten Künstler der Region – auf rund 3,6 Prozent.