Galerieeröffnung mit Gauleiter Adolf Wagner, 1937  Foto: Stadtarchiv Rosenheim

Galerieeröffnung mit Gauleiter Adolf Wagner, 1937

Foto: Stadtarchiv Rosenheim

 Entwurf des Geheimrats Dr. German Bestelmeyer für die Errichtung der städtischen Gemäldesammlung in Rosenheim, 1935  Foto: Stadtarchiv Rosenheim

Entwurf des Geheimrats Dr. German Bestelmeyer für die Errichtung der städtischen Gemäldesammlung in Rosenheim, 1935

Foto: Stadtarchiv Rosenheim

 NS-Prominenz bei der Besichtigung des neu eröffneten Galerie-Gebäude am 29. August 1937, geführt von Stadtarchivar und Galerie-Leiter Albert Aschl (links in SA-Uniform), in der Bildmitte Gauleiter Adolf Wagner, 1937  Foto: Stadtarchiv Rosenheim

NS-Prominenz bei der Besichtigung des neu eröffneten Galerie-Gebäude am 29. August 1937, geführt von Stadtarchivar und Galerie-Leiter Albert Aschl (links in SA-Uniform), in der Bildmitte Gauleiter Adolf Wagner, 1937

Foto: Stadtarchiv Rosenheim

DIE STÄDTISCHE GALERIE ROSENHEIM – GRÜNDUNG UND ANFÄNGE

(nach dem Katalogbeitrag von Sofie Eikenkötter)

 

Bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts war Rosenheim nicht gerade als Ort der Kunst und Kultur bekannt. Um dem entgegenzuwirken, gründete Pfarrer Philipp Weber 1904 den Rosenheimer Kunstverein. Daraufhin schloss der Kunstsammler Max Bram einen Stiftungsvertrag mit der Stadt Rosenheim ab:

Bram stiftete seine Sammlung von 140 Werken der Stadt mit der Auflage, dass seine Bilder zweimal im Monat der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten. Die Bürger sollten so im Sinne Brams gebildet werden. Darüber hinaus verpflichtete sich die Stadt dazu, jedes Jahr mindestens 500 Mark für Ankäufe zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig durften die Bilder aus der Sammlung Brams niemals verkauft werden. Außerdem im „Deal“ zwischen Bram und der Stadt enthalten: Die Schaffung geeigneter Ausstellungsräume.

So wurde 1913 die säkularisierte Michaelskapelle zu Ausstellungszwecken umgebaut. Bram war jedoch mit der städtischen Ankaufpolitik nicht zufrieden. Deshalb drängte Bram auf den Einsatz einer Ankaufkommission, die dann ab 1929 tätig wurde. Er war sehr darum bemüht die Qualität seiner Sammlung zu erhalten und dass der „derzeitige konservative Charakter der Sammlung gewahrt und der Modernismus auch in seinen wenigen grotesken Formen dauerhaft ausgeschaltet werden soll.“ [1]

Brams unermüdliche Einmischung und sein persönlicher Kunstgeschmack erklären zum einen, warum der Bestand der Städtischen Galerie bis heute hauptsächlich aus Landschaften und Genremalereien besteht und stark von der traditionellen „Münchner Schule“ geprägt ist. Zum anderen sorgt seine traditionalistische Kunstauffassung für eine gewisse Kompatibilität zum offiziellen Kunstgeschmack der Nationalsozialisten. Dies mag ein Grund sein, warum sich seine Sammlung so gut für eine Instrumentalisierung durch die Nationalsozialisten eignete.

Am 11. Juli 1934 legten die Kunstvereinsvorsitzenden und ihr Schriftführer ihre Ämter nieder.[2] Später hieß es wegen „politischer Schwierigkeiten“ [3]. Am nächsten Tag wurde Erich Holper, Leiter der Rosenheimer Ortsgruppe der NSDAP und Bürgermeister, auf der Generalversammlung einstimmig von den fünfzehn anwesenden Mitgliedern des Kunstvereins zum neuen Vorstand gewählt. [4] Ab nun stand der Kurs der Galerie ganz unter dem Zeichen des Nationalsozialismus.

Da durch die vielen Ankäufe die Michaelskirche bald zu klein wurde, setzte sich Holper ab 1935 aktiv für einen Neubau ein. Als Vorsitzender des Kunstvereins und als Bürgermeister der Stadt war er in beiden Institutionen maßgeblich Entscheidungsträger. Daher verwundert es kaum, dass seine Forderungen erfolgreich waren. Im selben Jahr noch wurde feierlich der Grundstein der Städtischen Galerie gelegt und bis 1937 nach den Plänen des Architekten Prof. German Bestelmeyer fertiggestellt. Dabei wurden bewusst Parallelen zum „Haus der (deutschen) Kunst“ in München gezogen. Am 29. August 1937 fand dann die lang angekündigte Eröffnungszeremonie statt.

Auf Fotografien dieses Events sind Hakenkreuzflaggen und Jungen aus der Hitlerjugend zu sehen. Unmissverständlich wird symbolisiert, unter welchen Umständen der Bau realisiert wurde. Hermann Göring - bei der Eröffnung nicht anwesend - war Schirmherr der Galerie. Auch sind Schenkungen an die Sammlung von Adolf Hitler, Gauleiter Adolf Wagner und Staatsbildhauer Josef Thorak zu verzeichnen.

1944 wurde die Galerie von einer Fliegerbombe teils zerstört, die Sammlung wurde dank rechtzeitiger Auslagerung jedoch kaum beschädigt. 1949 fand die Wiedereröffnung statt, die künstlerische Ausrichtung änderte sich jedoch nicht: Die Künstler, die während des Nationalsozialismus angekauft worden waren, konnten sich auch nach dem Krieg städtischer Aufmerksamkeit erfreuen.

 

CHRONOLOGIE

- 1904: Gründung des Kunstvereins Rosenheim

- 1904: Stiftung der Sammlung Max Bram

- 1913: Ausstellung in der ehemaligen Michaelskapelle

- 1934: Erich Holper wird Vorstand des Kunstvereins Rosenheim

- 11.08.1935: Grundsteinlegung der Städtischen Galerie Rosenheim

- 1935: Tod Max Bram

- 29.08.1937: Eröffnung der Städtischen Galerie Rosenheim

- 20.10.1944: Fliegerbombe trifft einen Teil der Galerie

- 24.05.1949: Wiedereröffnung der Galerie

 

 

[1] Stadtarchiv Rosenheim, Mittlerer Aktenbestand, MAG IX A 4 067a, „Denkschrift zum Ausbau der Städtischen Gemäldesammlung von M. Bram, Ehrenbürger der Stadt Rosenheim“, 1928, o. S.

[2] Stadtarchiv Rosenheim, Protokolle Kunstverein Rosenheim, PRO 1839, „Protokollbuch des Kunstvereins Rosenheim e.V. ab 1912“, S. 40/Nr. 40.

[3] Vgl. Franz Holger: „Ein schöner, aber schwieriger Verein.“ 90 Jahre Kunstverein Rosenheim, in: Kat. Ausst. Kunstverein Rosenheim 1904 – 1994. Seine Geschichte. Seine Ausstellungen. Seine Künstler, Städtische Galerie Rosenheim 1994, Rosenheim 1994, S. 17f.

[4] Vgl. Ebd., S. 17. Holper ernannte im Anschluss die weiteren Vorstandsmitglieder.