Otto Pippel (1878-1960)

(nach dem Katalogtext von Antonia Latković)

 

Der Landschaftsmaler Otto Pippel wird am 10. Februar 1878 in Łódź (damals Russisches Kaiserreich) als Sohn von westfälischen Einwanderern geboren. Mit der finanziellen Unterstützung seiner Tante und seines Onkels beginnt er im Jahr 1892 eine Ausbildung zum Dekorationsmaler. Danach studiert er bis 1909 Malerei in Straßburg, Dresden und Karlsruhe und zieht anschließend nach Planegg bei München. Kurz darauf unternimmt Pippel eine Studienreise nach Paris: Besonders die Arbeiten Monets und Renoirs studiert er aufmerksam und entwickelt anhand dieser seine Maltechnik entscheidend fort.

Zwischen 1911 und 1932 nimmt er mit wenigen Ausnahmen beinahe jährlich mit insgesamt 55 aufgeführten Arbeiten an den Kunstausstellungen im Münchner Glaspalast teil. Fast ausnahmslos handelt es sich bei den Exponaten um Ölgemälde mit Landschaftsdarstellungen der Region Bayern oder um Stadt- und Landschaftsmotive, die er durch seine Reisen nach Frankreich und Italien vor Ort gesehen hat.

Ab 1933 werden seine Gemälde relativ regelmäßig ausgestellt, so etwa in München, Darmstadt, Osnabrück und Berlin. Im Jahr 1934 tritt Pippel schließlich mit dem Rosenheimer Kunstsammler Max Bram in Kontakt. Für die Städtische Galerie erwirbt Bram von Pippel zunächst das Bild "Odeonsplatz", und wenig später noch die drei Gemälde "Im Englischen Garten", "Sommer", "Picknick im Walde" und "Kammermusik". Die drei Arbeiten "Cassone", "Trapani" und "Kirche in Venedig" sind hingegen als Stiftungen des Malers in den Bestand der Galerie eingegangen.

Bei der Beschäftigung mit Pippels künstlerischer Laufbahn und der Literatur dazu fällt auf, dass die Jahre zwischen 1918 und seinem Tod in Planegg 1960 ausgespart werden. Dies überrascht, da Pippel selbst laut einer Akte des Bundesarchivs ab dem November 1939 als Parteimitglied in die NSDAP aufgenommen wurde. Grundsätzlich ist diese Information für die Beschäftigung mit seinen Arbeiten nicht unbedingt relevant, da weder aus den gewählten Motiven noch deren künstlerischer Umsetzung nationalsozialistisches Gedankengut spricht. Dennoch ist seine Gesinnung als diejenige eines Akteurs im Kunstbetrieb während des NS zu berücksichtigen:

So äußert Pippel sich in einem Artikel des regimefreundlichen Journalisten Adolf Kargel vom 29. September 1942 in der Litzmannstädter Zeitung über die ‘Säuberungsmaßnahmen’ im Ausstellungswesen und ist der Ansicht, die „Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Kunstleben habe die besten Früchte gezeitigt.“ Die offensichtliche Diskrepanz zwischen der extremistischen Gesinnung des Künstlers und der sehr wohlwollenden Wahrnehmung seiner Arbeiten wirft gerade in diesem Fall Fragen auf: Können reine Landschaftsdarstellungen eindeutig als Ausformungen und Träger nationalsozialistischer Ideologie eingeordnet werden? Kann die Tatsache, dass ein Künstler NSDAP-Mitglied gewesen ist, Grund genug dazu bieten, seine Arbeiten heute nicht öffentlich auszustellen? Eine solche Erörterung ist im Fall Otto Pippels bislang ausgeblieben; die Ausstellung „vermacht, verfallen, verdrängt. Kunst und Nationalsozialismus“ wendet sich dieser Problematik erstmals zu.

 
 
   
  
 
  
    
  
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  OTTO PIPPEL: ODEONSPLATZ  © Martin Weiand

OTTO PIPPEL: ODEONSPLATZ

© Martin Weiand