Foto: Gerold Jung / Stadtarchiv Rosenheim, Maria Caspar-Filser, 1967, Sig.: F 242

Foto: Gerold Jung / Stadtarchiv Rosenheim, Maria Caspar-Filser, 1967, Sig.: F 242

 

Maria Caspar-Filser (1878-1968)

(nach dem Katalogtext von Stephanie Rechenberg)

 

Für die junge Künstlerin Maria Caspar-Filser ist die Ausgangssituation am Ende des 19. Jahrhunderts denkbar schlecht. Der Kunstmarkt wird von männlichen Künstlern dominiert und an der Münchner Akademie der Bildenden Künste werden nur Männer aufgenommen. Der damalige Hauptgrund für die Nichtzulassung von Frauen: Das patriarchalisch geprägte, bürgerliche Familienideal. Dieses befürwortet die Dominanz des Mannes in der Arbeits- und Familienwelt, während sich die Frau zuhause um die Kinder kümmern soll.

Trotz dieses Hindernisses erwirbt Caspar-Filser 1903 an einer Damen-Malschule an der Akademie in Stuttgart einen Abschluss. Hier trifft sie ihren Jugendfreund Karl Caspar wieder, den sie 1907 heiratet. Doch weder ihre Heirat, noch die Geburt ihrer Tochter haben einen negativen Einfluss auf ihre Karriere, vielmehr gehört die selbstbewusste Caspar-Filser zu den wenigen erfolgreichen Künstlerinnen ihrer Zeit.

In ihrer Kunst setzt sie auf die Kraft der Farben in Landschaften und Stillleben; besonders häufig malt sie Blumen. Außerdem verbindet sie ihre größtenteils impressionistischen Werke mit expressiven Elementen, wie der Befreiung von Farbe und Form. Politisches oder Revolutionäres findet sich jedoch nicht in ihrer Kunst.

Trotzdem geraten sie und ihr Mann in das Visier der nationalsozialistischen Kunstpolitik. Die Nationalsozialisten stören sich an den modernen Werken Caspar-Filsers und an der Fortschrittlichkeit ihres Mannes, der als jüngster Professor an der sonst konservativen Münchner Akademie auffällt. Nach ersten Herabwürdigungen im Völkischen Beobachter, der Wochenzeitung der NSDAP, folgen Entfernungen und Beschlagnahmungen einiger Werke. Außerdem wird vermutet, dass eines ihrer Werke auf der nationalsozialistischen, abwertenden Ausstellung „Entartete Kunst“ zu sehen war. [1]

Nach dem erzwungenen Ruhestand Karl Caspars zieht sich das Künstlerpaar nach Brannenburg zurück. Nachdem sie keine Bezugsscheine mehr für Farben und Material erhalten, überlässt ihr Mann ihr die wenigen zur Verfügung stehenden Materialien da seine Frau „ohne Pinsel und Farben totunglücklich“ sei. [2]

Ab 1945 ist die fast 70-jährige Maria Caspar-Filser wieder maßgeblich am Wiederaufbau der deutschen Kunstszene beteiligt und erhält zahlreiche Ehrungen. [3] Rosenheim entdeckt ihre Kunst jedoch verhältnismäßig spät – obwohl Caspar-Filser ab 1929 in Brannenburg wohnt und für ihre Werke vorwiegend Motive aus dieser Region wählt. Erst in den 1950er-Jahren kauft die Städtische Galerie Rosenheim zwei Werke an, und im Jahr 1962 erhält Caspar-Filser, bereits 84 Jahre alt, den Kulturpreis der Stadt Rosenheim.

 

[1] Vgl. Günther Wirth: Nationalsozialismus und Moderne Kunst, in: Kat. Ausst. Städtische Galerie Albstadt: Maria Caspar-Filser, Karl Caspar: Verfolgte Bilder (Hg: Adolf Smitmanns und Felicitas E. M. Köster), Albstadt 1993, S. 16.

[2] Karl-Heinz Meissner: Karl Caspar Der Süddeutsche Löwe, München 2008, S. 68.

[3] Felicitas E. M. Köster: Maria Caspar-Filser ‒ Biographie und Dokumentation, Die Künstlerin in ihrer Zeit, in: Kat. Ausst. Galerie der Landesgirokasse Stuttgart: Maria Caspar Filser (18781968), (Hg: Felicitas E. M. Köster und Ehrenfried Kluckert), Stuttgart 1986, S. 13f.