Foto © Magrit Jacobi, Quelle: Stadtarchiv Rosenheim, Leo von Welden, 1965, Sig.: F 8339

Foto © Magrit Jacobi, Quelle: Stadtarchiv Rosenheim, Leo von Welden, 1965, Sig.: F 8339

 

Leo von Welden (1899-1967)

(nach dem Katalogtext von Anke Gröner)

 

Der in Paris geborene Künstler Leo von Welden ist mit über 80 Werken im Depot der Städtischen Galerie Rosenheim vertreten. Nach einer ereignisreichen Jugend – angefangen bei seiner Internierung in Frankreich aufgrund des Kriegsbeginns 1914, Ausweisung aus dem Land und Staatenlosigkeit, bis hin zu seinem Einzug als deutscher Soldat in den Ersten Weltkrieg – lässt er sich in München nieder und studiert hier an der Akademie der Bildenden Künste. Interessanterweise lässt sich diese turbulente und sicher prägende Zeit nicht in seinem Werk wiederfinden. Vielmehr schafft er Radierungen und Gemälde, die ganz im Sinne der an der Akademie gelehrten Tradition der Münchner Schule stehen.

In der Zeit des Nationalsozialismus kann er sein Kunstschaffen, das mit seinem realistisch-neusachlichen Stil mit dem Kunstbild der Nationalsozialisten übereinstimmt, ungestört fortsetzen. Da auch seine traditionellen Motive zu den Kunstvorstellungen der Nationalsozialisten passen, kann er sogar mehrmals an der Großen Deutschen Kunstausstellung teilnehmen.

Gegen Ende 1941 ist Leo von Welden für den Reichsarbeitsdienst an der Ostfront stationiert, um malerisch Bericht von der dortigen Lage zu erstatten. Dabei zeichnet er ein romantisiertes Bild einer idyllischen Dorflandschaft, die nichts mit den unvorstellbaren Schrecken der Leningrader Blockade gemein hat.

Auch nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft ist in Schaffen und Erfolg von Weldens kein Bruch erkennbar. So kann er weiterhin ausstellen und wird Mitglied des Beirats des Aiblinger Kunstvereins. Außerdem tritt er der Künstlergruppe 51 bei, die sich als modern versteht und sich explizit gegen die NS-Zeit positioniert. Die Rezipienten nehmen dies gerne auf: Einige Autoren behaupten sogar, er hätte als „entartet“ gegolten.[1] Auch seine Ausstellungstätigkeiten zwischen 1933 bis 1945 werden in der Literatur heruntergespielt.

 

LEO VON WELDEN: NACHTWÄCHTER © Martin Weiand

LEO VON WELDEN: NACHTWÄCHTER

© Martin Weiand

 

[1] Ausst.-Kat. Städtische Galerie Rosenheim: Leo von Welden, Rosenheim 1969.