Karl Caspar (1879-1956)

(nach dem Katalogtext von Nadezda Voronina)

 

Von 1922 bis 1937 und von 1946 bis 1951 ist Karl Caspar als Kirchen- und Landschaftsmaler, Zeichner und als Professor an der Münchner Akademie der Bildenden Künste tätig. Als einer der Protagonisten der Münchener Moderne, versucht er die religiöse Malerei mit den malerischen Mitteln der Gegenwart zu erneuern.

Dabei speisen sich Caspars künstlerische Positionen aus einer Vielzahl moderner Tendenzen. Als Mitbegründer der zukunftsgerichteten Künstlergemeinschaft der "Neuen Münchner Secession" (1913) trägt er entscheidend zur Entwicklung der zeitgenössischen Kunst in München bei. Auch befreundet er sich mit richtungsweisenden Künstlern wie Alexej Jawlensky, Paul Klee und Alfred Kubin. 1907 heiratet er die Künstlerin Maria Caspar-Filser, die ihn ebenfalls stilistisch prägt.

Da sein Werk zusehends expressionistischer wird, erlebt Caspar ab 1927 Anfeindungen. Im Völkischen Beobachter, dem Propaganda-Blatt der NSDAP, erscheint 1932 ein Beitrag über die Werke Karl Caspars: „Sie scheinen mit dem in Farbe getauchten Ellenbogen gemalt zu sein. Es ist eine Dreistigkeit, so etwas dem Publikum als ,Kunst‘ vorzusetzen […].[1]

Obwohl seine Schüler ihn nach diesem herabwürdigenden Artikel in einem Brief an das Kulturministerium verteidigen, [2]  werden einige seiner Werke auf der nationalsozialistischen Femeschau „Entartete Kunst“ ausgestellt. [3] Daraufhin bittet Caspar um seine sofortige Beurlaubung als Professor, was bald als Antrag auf Versetzung in den Ruhestand behandelt wird. [4] Die wohl nicht ganz aufrichtige Antwort des nationalsozialistischen Präsidenten der Akademie und Architekten der Rosenheimer Galerie German Bestelmeyer lautet wie folgt:

„Lieber Freund Caspar! Es ist mir sehr schmerzlich Dir mitteilen zu müssen, dass […] Dein Gesuch um Ruhestandversetzung genehmigt worden ist. Und mit mir werden dies alle Kollegen sehr bedauern. Aber wie die Dinge liegen, war dies ja vorauszusehen. […] Mit besten Grüßen und Empfehlungen von Haus zu Haus und mit Heil Hitler! Stets Dein, Bestelmeyer.“ [5]

Nach dem Krieg wird Caspar als Professor an der Akademie wiedereingesetzt, wo er bis zu seiner Pensionierung 1951 arbeitet.

 

 

[1] Registratur der Akademie der Bildenden Künste: Personalakte Karl Caspar. Presseausschnitt, Völkischer Beobachter, 15.6.1932, „Münchner Kunstausstellung im Deutschen Museum“.

[2] Registratur der Akademie der Bildenden Künste: Personalakte Karl Caspar. Brief von Schülern von Prof. Caspar, 4.7.1932, Nr. 1021.

[3] Paul Ortwin Rave weist auf vier Bilder hin in: Kunstdiktatur im Dritten Reich, Berlin 1987, S. 156. Reinhard Müller-Mehlis sowie M.-A. von Lüttichau und A. Hüneke erwähnen drei Werke in: Rekonstruktion der Ausstellung „Entartete Kunst“ München, 19. Juli ‒ 30. November 1937, in: Die „Kunststadt“ München 1937. Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“, München 1987, S. 120–183, hier S. 160.

[4] Registratur der Akademie der Bildenden Künste: Personalakte Karl Caspar, Schreiben an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus von G. Bestelmeyer, 5.8.1937.

[5] Registratur der Akademie der Bildenden Künste: Personalakte Karl Caspar, Brief von G. Bestelmeyer an K. Caspar, 6.12.1937.