Foto: Stadtarchiv Rosenheim, Hermann Groeber, Selbstbildnis, 1929, Sig.: F 6766

Foto: Stadtarchiv Rosenheim, Hermann Groeber, Selbstbildnis, 1929, Sig.: F 6766

 

Hermann Groeber (1865-1935)

(nach dem Katalogtext von Aline Pronnet)

 

Hermann Groeber wird 1865 in Wartenberg geboren. Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste kann er schon früh Erfolge als Maler verzeichnen. Zunächst führt er eine private Malschule, in der auch Adolf Hitler zeitweise Unterricht nimmt. [1] 1907 unterrichtet er Aktzeichnen an der Akademie und wird 1914 zum Professor berufen.

Zeitgenössische Quellen belegen, dass er bei seinen Schülern sehr beliebt ist und als Mentor großen Einfluss auf sie hat. Seine Kunst ist der traditionellen Münchner Schule zuzuordnen. Sie zeichnet sich durch einen sehr konservativen, teils impressionistischen Malstil aus und zeigt meist Porträts, Landschaften und bäuerliche Sujets.

Neben seinen beruflichen Erfolgen in München ist Groeber auch im Chiemgau äußerst einflussreich. Ab 1923 ist er Mitglied der Künstlergemeinschaft „Frauenwörther“ und ab 1933 deren Vorstand. [2]  Diese Künstlergruppe vertritt eine künstlerisch konservative Position und richtet sich gegen jede Form der klassischen Moderne. [3] Gleichzeitig ist er auch Mitglied des Rosenheimer Kunstvereins und ab 1934 Mitglied der Ankaufskommission, die entscheidet, welche Werke von nun an in die Sammlung der Städtischen Galerie Rosenheim aufgenommen werden. Eine enge Freundschaft verbindet ihn mit Max Bram, dem Stifter dieser Sammlung. So kommen viele Werke Groebers in die Sammlung der Städtischen Galerie. Außerdem fügt sich seine realistische bis impressionistische Landschafts- und Bauernmalerei einwandfrei in den konservativen Ton der Sammlung ein.

Hermann Groeber ist seit 1921/22 als Mitglied der NSDAP gelistet und gilt als überzeugter Nationalsozialist. [4] Dies erlangt vor allem Bedeutung, wenn man sich noch einmal vor Augen führt, dass er als Professor großen Einfluss auf seine Schüler hat. Nicht nur in fachlicher Hinsicht, durch eine dezidiert antimoderne Kunstauffassung, auch ideologisch kann er so seine Überzeugungen verbreiten. So wundert es kaum, dass Hitler zum Tod Groebers an dessen Witwe schreibt, in ihm habe die Bewegung einen der ältesten Kämpfer verloren. [5] Durch seine Lehrtätigkeit und die damit verbundene Einflussnahme auf seine Schüler sowie durch die teils bestimmende Tätigkeit in Künstlervereinigungen und in der Rosenheimer Ankaufskommission unterstützt er auch aktiv das Gedankengut und die kulturelle Ausrichtung im Sinne des Nationalsozialismus.

HERMANN GROEBER: ESSENDER BAUER © Martin Weiand

HERMANN GROEBER: ESSENDER BAUER

© Martin Weiand

 

[1] Konrad Heiden: Adolf Hitler. Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit – Ein Mann Gegen Europa – Die Biografie; Neuauflage der Ersterscheinung von 1936, Zürich 2016, S. 65.

[2] Ruth Negendanck: Künstlerlandschaft Chiemsee, Fischerhude 2008, S. 159.

[3] Michael Pilz: Literatur und Bildende Kunst im Rosenheim der Zwischenkriegszeit; in: Manfred Kreml und Michael Pilz:  Rosenheim. Geschichte und Kultur, Rosenheim 2010, S. 419-436, hier S. 430.

[4] Archiv der Akademie der Bildenden Künste München, Personalakte Hermann Groeber: Fragebogen zur Durchführung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933.

[5] Stadtarchiv Rosenheim, Dokumentarische Sammlung zur Zeitgeschichte, Mappe Hermann Groeber: Brief von Adolf Hitler an Else Groeber vom 6. Juli 1935.