Hintergrund und Begriffe

Die Münchner Schule

Als Münchner Schule wird ein Malstil der Münchner Malerei des 19. und dem Anfang des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er entstand im Umfeld der Königlichen Akademie der Bildenden Künste und erlangte bald große Bedeutung in der akademischen Malerei. Die Münchner Schule zeichnete sich durch Genauigkeit und Naturalismus bei der Darstellung aus. Das heißt, dass auf die farbliche und anatomische Korrektheit im Bild Wert gelegt wurde. Typische Genres waren Landschafts-, Historien- und Porträtmalerei. Wichtige Vertreter der Münchner Schule waren Künstler wie Wilhelm Leibl oder Karl von Piloty. Werke der Münchener Schule befinden sich heute in zahlreichen Kunstsammlungen.

 

Der Münchner Glaspalast

Der Glaspalast war ein Ausstellungsgebäude auf dem Gelände des Alten Botanischen Gartens in der Münchner Innenstadt. In dem 1854 erbauten Gebäude, das durch seine Glas-Gusseisen-Konstruktion als besonders modern galt, wurde 1858 die „Erste deutsche allgemeine und historische Kunstausstellung“ veranstaltet. Es folgten ab 1869 eine Reihe internationaler Kunstausstellungen, die alle zeitgenössischen künstlerischen Tendenzen abdeckten. So entwickelte sich der Glaspalast zum Ort des internationalen Kunsthandels und begründete den Ruf Münchens als „Stadt der Kunst und Kultur“ [1]. Am 6. Juli 1931 brannte der Münchner Glaspalast vollständig ab. 300 Kunstwerke wurden unwiederbringlich zerstört, z.B. Werke des deutschen Romantiker Caspar David Friedrich. Außerdem wurden 1000 Werke schwer beschädigt. Zunächst wurde Selbstentzündung von ölgetränkter Putzwolle vermutet, später wurde jedoch Brandstiftung als Ursache ermittelt. [2] Wer den Brand gelegt hat, konnte bis heute nicht geklärt werden.

 

Die „Frauenwörther“

Ein wichtiges Merkmal der Rosenheimer Kunstszene sind die Malerkolonien, die in den 1920er Jahren am Chiemsee eine Wiederbelebung  erfuhren. So schlossen sich die Maler Constantin Gerhardinger, Hiasl Maier-Erding und Thomas Baumgartner auf der Fraueninsel zur Gruppe „Frauenwörther“ zusammen. [7] [3] Ihr gemeinsames Streben: das Bewahren und die Pflege der künstlerischen Tradition. [8] [4]Sich selbst als „heimatverbundene Traditionalisten“ [9] [5] verstehend, lag das motivischen Augenmerk auf der Voralpenlandschaft sowie auf dem bäuerlichen Leben im Chiemgau. Beides verkörperte den künstlerisch konservativen Anspruch nach Ursprünglichkeit und Tradition. Demnach bezogen die „Frauenwörther“ „von Anfang an gegen jedwede Form der Klassischen Moderne Position und verstanden sich […] als Hüter einer Maltradition, die offen auf die ‚Münchner Schule‘ des späten 19. Jahrhunderts rekurrierte.“ [6]

 

Die Großen Deutschen Kunstausstellungen

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entstand als "Neuer Glaspalast" das "Haus der Deutschen Kunst“ in der Nähe des Englischen Gartens in München nach Plänen von Paul Ludwig Troost (1878-1934). Dort fanden zwischen 1937 bis 1944 jährlich die Große Deutsche Kunstausstellung (GDK) statt, die die „von Hitler favorisierte Kunst“ [7] zeigte. Die Ausstellungen waren ein wirkungsvolles Propagandainstrument der Nationalsozialisten, mit dem sie versuchten den Geist einer „völkisch-deutschen Kunst“ heraufzubeschwören. Hauptsächlich  diente die GDK jedoch als Verkaufsausstellung. Bemerkenswert ist, dass nur ein geringer Teil der Kunst „definitiv rechtsradikaler Natur“ [8] war. Ein Großteil der Werke, darunter auch viele von Rosenheimer Künstler, zeigten „harmlose Motive“ wie Landschaften, Blumensträuße und den bäuerlichen Alltag.

 

Die Femeschau „Entartete Kunst“

Einen Tag nach der Eröffnung des „Hauses der Deutschen Kunst“ begann am 19. Juli 1937, die von Joseph Goebbels verantwortete Femeschau „Entartete Kunst“ im benachbarten Münchner Hofgarten, für die 650 Kunstwerke aus 32 deutschen Museen konfisziert wurden. [9] Die Schau zeigte auf herabwürdigende Weise vor allem Werke von modernen Künstler und ihrer expressiven, zum Teil abstrakten Malerei. Diese entsprachen nicht dem Idealbild einer traditionellen, völkischen Kunst, wie es die Nationalsozialisten propagierten. Während die Ausstellung in veränderter Form in Deutschland und Österreich gastierte, wurden weitere 17.000 Kunstwerke aus über 100 Museen beschlagnahmt und größtenteils auf dem internationalen Kunstmarkt verkauft. Viele der Werke wurden jedoch auch zerstört. Die mit der Ausstellung einhergehende Aktion „Entartete Kunst“ kam einer Ausschaltung von moderner Kunst in Deutschland gleich. [10]

 

 

[1] Vgl. URL: https://de.wikipedia.org/wiki/Glaspalast_(München) [12.08.2017].

[2] Ebd.

[3] Erich Steingräber: Vorwort. In: Kat. Ausst. Neumeister München Kunstauktionshaus: Sammlung Hans Constantin Faussner, München 1987, S. 9.

[4] Vgl. ebd., S. 10.

[5] Ebd. 1987, S. 10.

[6] Michael Pilz: Literatur und Bildende Kunst in der Zwischenkriegszeit, in: Manfred Treml und Michael Pilz (Hg): Rosenheim. Geschichte und Kultur, Rosenheim 2010, S. 430.

[7] Abstract von Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus, München 2007. URL: https://www.allitera.de/Brantl%2C+Sabine%3AHaus+der+Kunst%2C+München_Allitera_978-3-86906-756-8_t.html [12.08.2017].

[9] Abstract von Maximilian Aracena: Die ‚Große Deutsche Kunstausstellung‘ von 1937 bis 1944. Eine Verkaufsausstellung, München 2013. URL: https://epub.ub.uni-muenchen.de/22239/ [12.08.2017].

[9] Vgl. O.V.: Beschlagnahme der "Entarteten Kunst" 1937/1938. URL: http://www.hausderkunst.de/agenda/detail/beschlagnahme-der-entarteten-kunst-19371938/ [12.08.2017].

[10] Vgl. ebd.