Städtische Gemäldegalerie von Gauleiter Adolf Wagner eröffnet, 1937, Repro  © Stadtarchiv Rosenheim

Städtische Gemäldegalerie von Gauleiter Adolf Wagner eröffnet, 1937, Repro  © Stadtarchiv Rosenheim

 
 

Vermacht. Verfallen. Verdrängt. – Die Ausstellung

29. August 1937: Mit wehenden SS-Flaggen wird die Städtische Gemäldegalerie in Rosenheim feierlich eröffnet. Hier wird nun bis zum Kriegsbeginn das gesammelte Kunstgut gezeigt, das nach dem Urteil des Münchner Kunstkritikers Alexander Heilmayers 1935 „ganz dem Kulturbilde und den kulturellen Bestrebungen der N.S.D.A.P“ [1] entspricht.

Das damalige Sammlungsprofil der Galerie fußt dabei zu einem großen Teil auf den Vorstellungen des Kunstsammlers Max Bram, der im Jahr 1904 der Galerie seine traditionalistische „Gemäldesammlung aus dem Bereich der Münchner Schule“ [2] vermacht.

Zeitgleich in München, genauer im „Haus der Deutschen Kunst“: Viele der in Rosenheim ansässigen Künstler sind auf der von Adolf Hitler initiierten Großen Deutschen Kunstausstellung erfolgreich. Mit Hans Müller-Schnuttenbach und Anton Müller-Wischin (57 bzw. 50 Werke) befinden sich gleich zwei Rosenheimer Maler unter den „top five“. 

Diese überdurchschnittliche Präsenz von Künstlern aus dem Rosenheimer Raum auf der jährlichen Leistungsschau des „Dritten Reiches“ ist erklärungsbedürftig - malen sie doch in der Regel Landschaften, Blumenstillleben und Bauernsujets.

Inwiefern schaffen gerade sie jene künstlerischen „Höchstleistungen“, so der Katalog von 1937, die „Ausdruck verleihen der Größe der aus Blut und Boden, aus nationalsozialistischer Haltung und Weltanschauung geborenen neuen Zeit“?

Eine weitere Frage: Können die damaligen Rosenheimer Künstler gar als dem Nationalsozialismus verfallen bezeichnet werden, weil sie sich die von der NS-Kunstpolitik geschaffenen Aufstiegs- und Verdienstaussichten offenkundig ohne Bedenken oder Skrupel zu eigen machen?

Zum 80-jährigen Bestehen des im Sommer 1937 eröffneten Gebäudes widmet sich „vermacht, verfallen, verdrängt – Kunst und Nationalsozialismus“ erstmals in der Geschichte des Hauses diesem teils verdrängten und tabuisierten historischen Abschnitt der Rosenheimer Kunstszene.

Nichtsdestotrotz ist es nicht Ziel und Aufgabe der Ausstellung, einzelne Künstlerpersönlichkeiten und deren Werk einem bestimmten politischen Lager zuzuordnen. Vielmehr gilt es, deren künstlerischen Werdegang, die Beteiligung an Ausstellungen sowie Verkäufe und Ehrungen zum ersten Mal in ihrer Gesamtheit zu dokumentieren.

Die Ausstellungskonzeption (Kurator Felix Steffan) entstand auf Grundlage einer Kooperation der Städtischen Galerie Rosenheim mit dem Institut für Kunstgeschichte der LMU München unter der Leitung von PD Dr. Christian Fuhrmeister. Zur Ausstellung erscheint ein substantieller Katalog, auf dem diese Website größtenteils aufbaut.

 

 

[1] Michael Pilz: Literatur und Bildende Kunst in der Zwischenkriegszeit, in: Manfred Kreml und Michael Pilz (Hg): Rosenheim. Geschichte und Kultur, Rosenheim 2010, S. 431.

[2] Eugen Weigl: Bildende Kunst und Bau der Galerie, in: Kat. Ausst. Rosenheim im Dritten Reich. Heimatmuseum Rosenheim. Rosenheim 1989, S. 77.