Edmund Steppes (1873-1968)

(nach dem Katalogtext von Stephanie Rechenberg)

 

Edmund Steppes ist nicht nur ein Mitläufer im Dritten Reich. Als langjähriger und überzeugter Nationalsozialist und Antisemit vertritt er schon vor der Machtergreifung das kunsttheoretische Ideal der Nationalsozialisten: das einer „völkischen“ Kunst. Eine Anpassung an die nationalsozialistische Kulturpolitik ist nicht notwendig. Seine gesamte Schaffenszeit ist von Kontinuität geprägt und nicht von Stilwandel.

Bereits ab 1907 verfasst er kunsttheoretische Schriften zum Wesen der deutschen Malerei, die durchaus Beachtung finden. [1] Die Annäherung zur extremen Rechten erfolgt, als er 1918 Dietrich Eckart, den ideologischen „Mentor“ Hitlers, dem Hitler auch „Mein Kampf“ widmen wird, kennenlernt und sich mit ihm anfreundet. [2] Ab 1918 ist der Einfluss Eckarts auch in der massiven Judenfeindlichkeit zu erkennen. Während Steppes sich zuvor kaum in dieser Richtung äußert, überschlägt er sich nun in Briefen an seine Frau Anna in antisemitischen Äußerungen: die Juden seien schuld am Krieg und stünden für alles Fremde. [3]

Steppes tritt am 1. Januar 1932 der NSDAP bei und stellt ab 1937 alljährlich auf der Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) aus, insgesamt 24 Arbeiten, wobei 15 Werke von Adolf Hitler, zwei Werke von Joseph Goebbels und ein Werk von Martin Bormann, einem wichtigen Vertrauten Hitlers, erworben werden, welche seine Hauptkunden in dieser Zeit darstellen. [4]

Dessen ungeachtet fällt bei der Analyse seines Werks auf, dass Steppes’ Kunstideal und seine Werke trotz dieser politischen großen Übereinstimmung nicht die erhoffte Bedeutung im nationalsozialistischen Kulturbetrieb finden. Seine leblosen, menschenleeren Landschaften entsprechen wider Erwartung doch nicht in dem Maße dem Kunstideal der Nationalsozialisten, in dem Steppes dies erwartet hat. Manche Werke, wie das Mittelbild seines Triptychons mit dem Titel „Atem der Unendlichkeit“, werden abgelehnt und keines seiner Werke wird jemals in den Katalogen der GDK durch eine Abbildung hervorgehoben. [5] So erlebt Steppes im Dritten Reich nicht seinen erhofften großen Durchbruch. Er bleibt das, was er bereits in der Weimarer Republik war: ein angesehener, auf Ausstellungen vertretener, teils gut verkaufender Maler, aber nicht mehr.

 

ZU DEM WERK: WANDERLIED VON EDMUND STEPPES

 

[1] Edmund Steppes: Die deutsche Malerei, München 1907.

[2] Andreas Zoller: Edmund Steppes 1873-1968. Ein Landschaftsmaler des deutschen Idealismus, Grafenau 2000, S. 98f.

[3] E. Steppes an Anna Steppes, 14 Briefe zwischen 14.9.1918 und 17.10.1918, Nachlass E. Steppes, zitiert nach Andreas Zoller: Edmund Steppes 1873-1968. Ein Landschaftsmaler des deutschen Idealismus, Grafenau 2000, S. 101.

[4] Siehe www.gdk-research.de, Suche nach Steppes (gelesen am 30.6.2017).

[5] Zoller 2000, S. 122.