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    Foto: Dietrich / Krämer / Archiv, Prof. Constantin Gerhardinger, 1958, Sig.: 6794; Quelle: Stadtarchiv Rosenheim

Foto: Dietrich / Krämer / Archiv, Prof. Constantin Gerhardinger, 1958, Sig.: 6794; Quelle: Stadtarchiv Rosenheim

 

Constantin Gerhardinger (1888-1970)

(nach dem Katalogtext von Elena Velichko)

 

1916 wird der in München geborenen Constantin Gerhardinger als Soldat nach Rosenheim abkommandiert. Dort entdeckt er schon bald die landschaftlichen Reize der näheren Umgebung und beginnt diese neben dem Militärdienst malerisch festzuhalten.[1] Zusammen mit anderen Rosenheimer Künstler gründet er 1920 die freie Künstlergemeinschaft „Die Frauenwörther“, die vorwiegend die Region um den Chiemsee abbildet.  

Gerhardinger sieht sich selbst als „Bauernmaler“ [2], der sich der Landschaft, den Leuten und den Alltagsszenen aus der bäuerlichen Umgebung widmet. Diese „Bauernmalerei“ fügt sich mühelos in die „Blut- und Bodenideologie“ des Nationalsozialismus ein. Das bodenständige, naturnahe und hart arbeitende Bauerntum galt als „Blutsquell“ des deutschen Volks und bedient so den nationalsozialistischen deutsch-völkischen Gedanken. So gelangt die Kunst Gerhardingers in den Fokus des Interesses. [3]

Deshalb verwundert es nicht, dass Gerhardinger ebenso regelmäßig wie erfolgreich auf der Großen Deutschen Kunstausstellung (GDK) in München vertreten ist. Dort sind zwischen 1937 und 1942 insgesamt 25 Exponaten ausgestellt, die zu horrenden Preise u.a. von Adolf Hitler und Joseph Goebbels gekauft werden. [4]

Doch dies ändert sich schlagartig, als im Frühjahr 1943 Gerhardingers Atelier, wie auch Teile der Akademie der Bildenden Künste, durch Luftangriffe zerstört werden. Aus Angst, weitere Bilder durch Angriffe auf München zu verlieren, beschließt der Künstler, für die bevorstehende GDK 1943 keine Werke einzureichen. Als Adolf Hitler bei der Vorbesichtigung der Ausstellung von der Vorsicht und Besorgnis Gerhardingers erfährt, kommt es zum Eklat: Gerhardinger wird vorgeworfen, nicht an den Sieg Deutschlands zu glauben, ihm wird der Professorentitel aberkannt und er erhält Presse- und Ausstellungsverbot. [5]

Diese sehr späte, aber relativ rigorose Verbannung aus dem Kunstleben des Dritten Reiches ermöglicht Gerhardinger nach 1945 einen schnellen Wiedereinstieg in den Kunstbetrieb der amerikanischen Besatzungszone und später der Bundesrepublik. Zumal man sich nach dem Krieg sehr um die Wiedergutmachung der Beschwernisse politisch verfolgter Künstler kümmert. Er stellt sehr bald wieder regelmäßig aus, wird zum Präsidenten der Münchener Künstlergenossenschaft berufen und zum Ehrenbürger der Städte Rosenheim und Kallmünz ernannt. [6] Geehrt und geschätzt stirbt der „Bauernmaler“ Gerhardinger 1970.

 

   
  
 
  
    
  
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  © Martin Weiand

CONSTANTIN GERHARDINGER: HÄNDE

© Martin Weiand

 

[1] Hans Constantin Faußner und Bernhard Hauser: Der Maler Constantin Gerhardinger 1888‒1970, Rosenheim 1988, S. 11.

[2] Registratur der Akademie der Bildenden Künste München (im Folgenden: AdBK), Personalakte Constantin Gerhardinger, nicht foliiert, Schreiben Gerhardingers an das Finanzamt vom 25.1.1940.

[3] Jedoch belegen einige Quellen, dass der Künstler sich von politischen Aktivitäten ferngehalten hat. Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde, NS 12/5251, sowie Staatsarchiv München, Spk-Akten K 3870.

[4] GDK 1937: Reichsminister Dr. Goebbels kauft "Bäuerlicher Brotsegen" für 15 000 RM, Adolf Hitler wählte zwei Werke aus, "Samerberger Holzknecht und Kleinhäusler" für 6 000 und 1 800 RM. 1939 wurden erneut drei von fünf Exponaten Gerhardingers durch Hitler und Goebbels erworben, womit der Künstler 29 000 RM verdiente.

 URL: http://www.gdk-research.de [gelesen am 15.6.2017].

[5] Otto Thomae: Die Propaganda-Maschinerie. Bildende Kunst und Öffentlichkeitsarbeit im Dritten Reich, Berlin 1978, S. 391f.

[6] Faußner/Hauser 1988, S. 107f.